Mit
Ablauf der Eingabefrist haben der Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) Hamburg, der Verein für Recht und Umwelt, Wir
für Billstedt und die Billstedter Umweltnasen und viele
Einzelpersonen aus dem Bereich Billstedt/Billbrook mehr als 350 Einwendungen
gegen die Planungen eines Biomassekraftwerkes in Billbrook bei der zuständigen
Fachbehörde abgegeben. Sie fordern Gesundheits- und Umweltsenator Peter Rehaag
auf, sich der Bedenken im Stadtteil anzunehmen und für
die Nachbesserung der Planunterlagen zu sorgen.
Gegen eine weitere Müllverbrennungsanlage sprechen die hohe Vorbelastung der
angrenzenden dichtbesiedelten Stadtteile sowie der in den letzten Jahren massiv
zugenommene Schwerlastverkehr. "Gerade die Vorbelastung ist nicht ausreichend
untersucht worden, die Daten sind lückenhaft und völlig veraltet",
kritisiert Maren Jonseck-Ohrt, Landesvorsitzende des BUND Hamburg die
Antragsunterlagen der MVB. "Die Menschen hier vor Ort sind zu Recht
skeptisch und werden durch das Hauruck-Verfahren der MVB zusätzlich
verunsichert."
Die zukünftige Betreiberin der Altholzverbrennungsanlage, die MVB, treibt das
Verfahren energisch voran, damit die Anlage rechtzeitig fertig gestellt wird,
um noch eine Förderung durch das ErneuerbareEnergieGesetz (EEG) zu erhalten.
"Zeitdruck darf nicht zu Lasten der Planungsqualität gehen",
so Maren Jonseck-Ohrt weiter.
Weiterer Kritikpunkt ist auch die geringe Effizienz der Anlage. Aus Sicht des
BUND sollte ein Biomassekraftwerk konsequent auf Kraft-Wärme-Kopplung setzen
und auch das Fernwärmenetz bedienen. Die gegenwärtig geplante Anlage hat nur
eine Energieausbeute von 31 Prozent, technisch möglich wären 48 Prozent.
Für Rückfragen:
Manfred Braasch,
BUND-Geschäftsführer, Tel. 040 - 600 38 712
Internet: www.bund.net/hamburg
Bei
der geplanten Altholzverbrennungsanlage auf dem Gelände der
Müllverbrennungsanlage Borsigstraße (MVB) befürchtet der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) Hamburg ein Schnellverfahren ohne
ausreichende Datengrundlage. "Die Vattenfall Europe und die Behörde für
Umwelt und Gesundheit (BUG) wollen die Anlage offensichtlich unter hohem
Termindruck bis zum Juni 2004 genehmigen, um noch eine Förderung nach dem
Energieeinspeisegesetz zu erhalten. Die ehrliche Information der Bevölkerung
sowie aktuelle und seriöse Gutachten bleiben dabei auf der Strecke",
kritisiert Manfred Braasch, Geschäftsführer des BUND Hamburg.
Was beschönigend als Biomassekraftwerk beantragt wurde, ist in Wirklichkeit
eine Altholzverbrennungsanlage, in der hauptsächlich Hölzer der Kategorie IV
der Altholzverordnung verbrannt werden sollen. Das heißt, dass diese Hölzer
hoch mit giftigen Holzschutzmitteln belastet und im Hinblick auf die Emissionen
und die Verbrennungsrückstände nicht unproblematisch sind.
Nach dem "Scoping-Termin" in der vergangenen Woche, in dem die
geplanten Untersuchungen im Vorfeld des Projekts vorgestellt wurden,
kritisierte der BUND, dass die BUG von Vattenfall lediglich eine
Immissionsprognose sowie ein Schallgutachten verlange: "Alle anderen
Daten werden aus diversen und teilweise veralteten Hamburger Berichten
zusammengeschrieben."
Der BUND fordert nun vor allem eine umfassende Untersuchung der
Vorbelastung der betroffenen Stadtteile, zumal diese einen hohen
Bevölkerungsanteil haben und bereits jetzt extremen Belastungen durch die
örtliche Industrie ausgesetzt sind. "Noch mehr Schadstoffe sind den
Menschen in Horn, Billstedt und Mümmelmannsberg nicht zuzumuten", so
der BUND-Landesgeschäftsführer.
Weiterhin kritisiert der BUND, dass in Billbrook lediglich Strom
produziert werden solle, obwohl das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz bei
derartigen Anlagen auch die Wärmegewinnung vorsehe. "Die Stromerzeugung
aus Holz ist ohne Kraft-Wärme-Kopplung ökologisch nicht effektiv",
urteilt Manfred Braasch.
Für Rückfragen:
Paul Schmid, BUND-Pressesprecher, Tel. 040/ 600 38 712
Internet: www.bund.net/hamburg